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Unser Ökosystem Wald im Klimastress

Mit Förstern unterwegs auf der Suche nach Symptomen, Ursachen und Zukunftsstrategien

Eine abendliche Exkursion mit Dr. Frieder Hepperle, Leiter des Forstbezirks Waldkirch und Edwin Dreher, Vorsitzender des Schwarzwaldvereins Waldkirch-Kandel und selbst Förster widmete sich den Folgen des Klimawandels im Wald. Eine große Zahl an TeilnehmerInnen machte deutlich, dass das Thema insgesamt und der Zustand des Waldes insbesondere die Menschen bewegt.

Gemeinsam mit den Experten machten sich zwei Gruppen in entsprechendem Abstand auf Spurensuche im Kastelwald. Am Ritterweg ging der Blick zunächst weit zurück zum Ende der letzten Eiszeit. Anhand von Postern und Tabellen wurde aufgezeigt, wie sich der Wald seither über verschiedene Phasen entwickelt hat und dass auf dem größten Teil der Waldfläche in unserer Region Buchenwälder mit verschiedenen Mischbaumarten die Naturwaldgesellschaft bilden würden. Die Förster konnten am gewählten Haltepunkt anschaulich vermitteln, wie so ein Wald aus Buchen, Eichen sowie wenigen Tannen und weiteren Mischbauarten aussieht. Dabei waren auch mächtige Einzelbäume zu bestaunen. Angesichts dieser Baumriesen erfuhren die TeilnehmerInnen, was Nachhaltigkeit bedeutet und wie diese in der naturnahen Waldwirtschaft umgesetzt wird. Auf dem weiteren Weg Richtung Haseneckle öffnete sich der Blick und hier waren die Symptome der langen Trockenheit unübersehbar. So konnten die Forstexperten an Bäumen und mit Bildmaterial zeigen, wie sich Wassermangel bei Nadelbäumen auswirkt und welche Folgeschäden z.B. der Befall mit Borkenkäfern an Fichten anrichtet. Auch die Buche als wichtigste Baumart im Kastelwald zeigt deutliche Symptome wie frühzeitige Verfärbung, Blattfall, außergewöhnlich starke Fruchtbildung und Absterben von Ästen und Kronenteilen. In der regen Diskussion zeigten die Fachleute anhand von Postern, dass vor allem die extreme Trockenheit in den tieferen Bodenschichten den Bäumen zusetzt. Mit Zeitreihen konnten sie belegen, dass dieser Effekt jetzt schon länger andauert, also  keine kurzfristige Erscheinung und eindeutig Folge der Klimaerwärmung ist. Anhand der bedrückenden Waldbilder entspann sich schnell eine intensive Diskussion über Zukunftsperspektiven. Hier wurde schnell deutlich, dass es notwendig ist, den Wald so zu pflegen, dass er möglichst viele Baumarten aus der Naturwaldgesellschaft enthält. Eine natürliche Verjüngung aus den Samen der vorhandenen Bäume könne zudem helfen, dass die genetische Vielfalt erhalten und genutzt werde. Eine Einbringung wärmetoleranter Baumarten sollte mit großer Vorsicht erfolgen. Am Beispiel der Albin-Kurz-Douglasie zeigten die Förster, woher diese Baumart stammt, wann und wie sie in unserer Region eingeführt wurde und welche Dimensionen und Werte sie heute erreicht. Als relativ trockenresistente Mischbaumart könne sie durchaus eine wichtige Rolle in den Wäldern der Zukunft  spielen, führte Dr. Hepperle an dieser Stelle aus. Dass Klimawandel grundsätzlich Wetterextreme bedeutet, wurde am letzten Haltepunkt deutlich. Hier zeigten die Forstexperten anhand von Bildmaterial auf, welche Folgen Starkregen im Juni 2016 hatten. So wurden damals durch eine Hangrutschung zwei Waldwege fast komplett zerstört und Häuser im Unteren Amtsfeld in Mitleidenschaft gezogen. Der Hangbereich ist inzwischen mit Eichen und weiteren Mischbaumarten aufgeforstet.  Diese Baumarten sichern durch ihr intensives Wurzelwerk den Waldboden vor Abschwemmung und entsprechen gleichzeitig der natürlichen Waldgesellschaft an diesem Standort. Auf diese Weise hoffen die Forstexperten Klimaextremen zukünftig in doppelter Hinsicht begegnen zu können.

In der Abschlussrunde wurde noch einmal deutlich, wie stark das Ökosystem Wald momentan von den Klimaveränderungen betroffen ist, dass Waldpflege dem Rechnung tragen kann und muss, und dass  Politik, Wirtschaft und die ganze Bevölkerung  dazu beitragen müssen, den Eintrag von klimaschädlichen Gasen in die Atmosphäre deutlich zu reduzieren.

Autor und Bilder: Edwin Dreher